NMP ersetzen – Alternativen zu N-Methyl-2-pyrrolidon


NMP ersetzen: Welche Alternativen zu N-Methyl-2-pyrrolidon kommen für industrielle Anwendungen infrage?

N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP) gehört zu den technisch leistungsfähigen polar-aprotischen Lösungsmitteln und wird in zahlreichen industriellen Prozessen eingesetzt. Sein hohes Lösevermögen für unterschiedliche organische Verbindungen, Polymere, Harze und Beschichtungsbestandteile macht NMP zu einem vielseitigen Prozess- und Formulierungslösungsmittel.

Gleichzeitig besitzt NMP ein problematisches Gefahrstoffprofil. Der Stoff ist unter der CLP-Verordnung als reproduktionstoxisch Kategorie 1B (H360D – kann das Kind im Mutterleib schädigen) eingestuft und befindet sich aufgrund seiner reproduktionstoxischen Eigenschaften auf der REACH-Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC).

Für Industrieunternehmen stellt sich deshalb zunehmend die Frage:
Wie lässt sich NMP ersetzen, ohne die technische Leistungsfähigkeit des bestehenden Prozesses zu verlieren?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Je nach Anwendung können jedoch unterschiedliche Lösungsmittel, Lösemittelgemische oder sogar alternative Verfahren infrage kommen.

Dieser Beitrag der GIO-CHEM Substitution Library zeigt, welche Ansätze für eine NMP-Substitution grundsätzlich zur Verfügung stehen und warum eine erfolgreiche Substitution immer von der konkreten Anwendung ausgehen sollte.


Was ist NMP?

N-Methyl-2-pyrrolidon, auch 1-Methyl-2-pyrrolidon oder NMP genannt, ist eine organische Verbindung mit der Summenformel C₅H₉NO und der CAS-Nummer 872-50-4. Es handelt sich um ein polar-aprotisches Lösungsmittel mit ausgeprägtem Lösevermögen. NMP ist mit Wasser mischbar und kann zahlreiche organische und anorganische Verbindungen lösen.

Gerade diese Kombination macht NMP technologisch interessant.

Die ECHA dokumentiert Anwendungen unter anderem in Beschichtungen, Reinigungsmitteln, Polymerverarbeitung, Elektronik und Halbleiterfertigung, Batterieindustrie, petrochemischen Prozessen sowie in der pharmazeutischen und chemischen Industrie. NMP wird dabei beispielsweise als Lösungsmittel, Reinigungsmedium oder Prozesshilfsmittel eingesetzt.

NMP – Stoffdaten im Überblick

Bezeichnung:                         N-Methyl-2-pyrrolidon
Weitere Bezeichnung:           1-Methyl-2-pyrrolidon
Abkürzung:                             NMP
CAS-Nr.:                                   872-50-4
EG-Nr.:                                     212-828-1
Summenformel:                    C₅H₉NO
Stoffklasse:                             Lactam / polar-aprotisches Lösungsmittel
Wasserlöslichkeit:                  mit Wasser mischbar
CLP-Relevanz:                         Repr. 1B, H360D
REACH:                                     SVHC-Kandidatenliste; zusätzlich Beschränkung nach Anhang XVII



Warum wird nach Alternativen zu NMP gesucht?

Die Motivation zur NMP-Substitution ist nicht ausschließlich ökologischer Natur.
NMP ist aufgrund seiner reproduktionstoxischen Eigenschaften regulatorisch besonders relevant. Unter REACH Anhang XVII, Eintrag 71, gelten für NMP als Stoff oder in Gemischen ab einer Konzentration von 0,3 % besondere Anforderungen. Unter anderem sind DNEL-Werte für inhalative und dermale Exposition festgelegt und geeignete Risikomanagementmaßnahmen sowie Betriebsbedingungen erforderlich, um die Exposition der Beschäftigten unter diesen Werten zu halten.

NMP ist damit nicht pauschal „verboten“. Diese Unterscheidung ist wichtig.

Für Unternehmen können regulatorische Anforderungen, Arbeitsschutz, Kundenanforderungen, Nachhaltigkeitsziele und eine langfristige Rohstoffstrategie dennoch gute Gründe sein, bestehende NMP-Anwendungen zu überprüfen.

Die Substitution kann zudem die Möglichkeit eröffnen, einen bestehenden Prozess nicht nur regulatorisch, sondern auch technisch weiterzuentwickeln.

Warum ist NMP technisch so schwer zu ersetzen?

Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.
NMP wird nicht zufällig in anspruchsvollen industriellen Anwendungen eingesetzt. Es besitzt eine Kombination aus Polarität, Lösevermögen, vergleichsweise geringer Flüchtigkeit, Mischbarkeit und thermischen Eigenschaften, die sich mit einem einzelnen anderen Lösungsmittel häufig nicht vollständig reproduzieren lässt.

Besonders relevant ist sein Lösevermögen gegenüber zahlreichen Polymeren, Harzen, Beschichtungen, organischen Rückständen sowie weiteren schwer löslichen Substanzen. ECHA-Unterlagen heben unter anderem die hohe Solvatisierungsleistung gegenüber Kunststoffen und Harzen hervor.

Daraus folgt eine wichtige Grundregel der Stoffsubstitution:

Nicht die chemische Struktur von NMP muss ersetzt werden – sondern seine Funktion innerhalb der jeweiligen Anwendung.

Das verändert die Suche nach einer Alternative fundamental.



Gibt es einen direkten NMP-Ersatz?

Einen universell geeigneten 1:1-Ersatz für NMP gibt es nicht.
Ein Stoff, der sich beispielsweise als NMP-Alternative in einem industriellen Reiniger bewährt, muss nicht automatisch für eine Polymerlösung, Beschichtung, Extraktion oder Batterieanwendung geeignet sein.

Auch die ECHA empfiehlt bei der Suche nach Alternativen zunächst zu definieren, welche technische Funktion tatsächlich benötigt wird. Anschließend sollen mögliche Alternativen unter anderem hinsichtlich Gefahr und Risiko, Leistung, Wirtschaftlichkeit sowie weiterer Auswirkungen bewertet werden.

Für eine seriöse NMP-Substitution sollte deshalb zuerst die konkrete Funktion des NMP analysiert werden.




Welche Alternativen zu NMP kommen infrage?

Für die Substitution von NMP werden in Forschung und industrieller Entwicklung unterschiedliche Lösungsmittelklassen diskutiert. Dazu gehören unter anderem Cyrene (Dihydrolevoglucosenon), Propylencarbonat, γ-Valerolacton, Ethyllactat sowie verschiedene Carbonate und Ester.

Eine umfangreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeit in Chemical Reviews behandelt beispielsweise Cyrene und Carbonate ausdrücklich als mögliche nachhaltigere Alternativen zu konventionellen dipolar-aprotischen Lösungsmitteln. Cyrene wurde als potenzielle Alternative zu REACH-regulierten Lösungsmitteln wie NMP und DMF entwickelt. Allerdings bedeutet die Bezeichnung „grünes Lösungsmittel“ nicht automatisch, dass ein Stoff ungefährlich oder für jede Anwendung überlegen ist.

Auch der CHEM21 Solvent Selection Guide zeigt, dass alternative Lösungsmittel je nach Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltkriterium unterschiedlich bewertet werden. Beispielsweise werden Propylencarbonat, Cyrene, γ-Valerolacton und Ethyllactat dort nicht pauschal als uneingeschränkt empfehlenswert eingestuft.



Potenzielle NMP-Alternativen im technischen Vergleich

Alternative

Charakteristik

Potenziell interessant für

Zu berücksichtigen





Cyrene

polar-aprotisches Lösungsmittel, biobasierter Ansatz

Synthese, Polymer-/Formulierungsanwendungen

hohe Siedelage, anwendungsspezifische Verträglichkeit

Propylencarbonat

stark polares cyclisches Carbonat

Reinigung, Formulierungen, Beschichtungen

sehr hoher Siedepunkt, langsame Entfernung aus Prozessen

y-Valerolacton

polares Lacton, potenziell biobasiert

Synthese, Reinigung, Formulierungen

hohe Siedelage, Prozessprüfung erforderlich

Ethyllactat

polarer Hydroxyester, biobasiert herstellbar

Reinigung, Beschichtungen, Entfettung, Formulierungen

anderes Löseprofil als NMP, Materialverträglichkeit prüfen

Dimethylcarbonat

Carbonat-Lösungsmittel

Formulierungen und bestimmte Reinigungsprozesse

deutlich anderes Polaritäts- und Verdunstungsprofil

Dibasische Ester

Gemische höher siedender Dicarbonsäureester

Reinigung, Entlackung, Entfernung organischer Rückstände

langsames Verdunstungsverhalten

Lösemittelblends

Kombination verschiedener Lösungsmittel

maßgeschneiderte industrielle Anwendungen

Zusammensetzung muss an Prozess und Werkstoffe angepasst werden





Diese Tabelle ist bewusst als technische Vorauswahl und nicht als Substitutionsempfehlung zu verstehen.



Cyrene – interessante Alternative für polar-aprotische Anwendungen

Cyrene, chemisch Dihydrolevoglucosenon, ist eine der wissenschaftlich interessantesten neueren Alternativen zu konventionellen dipolar-aprotischen Lösungsmitteln. Der Stoff kann aus lignocellulosischer Biomasse hergestellt werden und wurde gezielt als Alternative zu problematischeren Lösungsmitteln wie NMP und DMF untersucht.

Seine Polarität macht Cyrene insbesondere dort interessant, wo die Funktion eines polar-aprotischen Lösungsmittels benötigt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass Cyrene NMP grundsätzlich 1:1 ersetzen kann. Reaktionschemie, Lösevermögen, Viskosität, Temperaturbereich, Aufarbeitung und Materialverträglichkeit müssen für die jeweilige Anwendung geprüft werden.

Bewertung: technologisch sehr interessant, insbesondere für spezialisierte Anwendungen – aber kein universeller Drop-in-Ersatz.

Propylencarbonat – stark polar und schwerflüchtig

Propylencarbonat ist ein cyclisches Carbonat mit ausgeprägter Polarität und einem hohen Siedepunkt von etwa 242 °C. Damit kann es für Anwendungen interessant sein, in denen ein stark polares, schwerflüchtiges Lösungsmittel benötigt wird.

Der hohe Siedepunkt ist allerdings gleichzeitig eine technische Einschränkung:
Soll das Lösungsmittel nach dem Prozess schnell entfernt oder eine Oberfläche kurzfristig getrocknet werden, kann Propylencarbonat nachteilig sein. Bei Reinigungs- oder Formulierungsanwendungen kann genau die geringe Flüchtigkeit dagegen erwünscht sein.

Bewertung: interessante NMP-Alternative beziehungsweise Blendkomponente für bestimmte Anwendungen, insbesondere wenn hohe Polarität und geringe Flüchtigkeit gefragt sind.



γ-Valerolacton – potenziell biobasiertes polares Lösungsmittel

γ-Valerolacton (GVL) wird ebenfalls als alternatives Lösungsmittel diskutiert und kann aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Sein Siedepunkt liegt bei etwa 207 °C.

GVL besitzt damit ein deutlich anderes Verdunstungsprofil als leichtflüchtige klassische Lösungsmittel und kann insbesondere für Anwendungen interessant sein, bei denen eine längere Offenzeit beziehungsweise geringe Flüchtigkeit erwünscht ist. Wie bei Propylencarbonat kann der hohe Siedepunkt jedoch die Entfernung des Lösungsmittels aus einem Prozess erschweren.

Bewertung: interessante Alternative für ausgewählte Formulierungs-, Reinigungs- und Prozessanwendungen; die technische Eignung muss experimentell überprüft werden.

Ethyllactat – interessante Option für Reinigung und Formulierung

Ethyllactat ist ein Ester der Milchsäure und besitzt ein deutlich anderes Eigenschaftsprofil als NMP. Sein Siedepunkt liegt bei ungefähr 154 °C. Ethyllactat kann insbesondere in industriellen Reinigungs-, Entfettungs-, Beschichtungs- und Formulierungsanwendungen interessant sein.
Sein großer Vorteil liegt weniger darin, NMP chemisch möglichst exakt nachzubilden.

Interessanter ist seine Verwendung als Bestandteil eines neu konzipierten Lösemittelsystems.
Durch Kombination mit anderen Lösungsmittelklassen können Polarität, Lösekraft, Penetration und Verdunstungsverhalten gezielt beeinflusst werden.

Bewertung: besonders interessant für NMP-freie Reinigungs- und Formulierungsentwicklungen sowie als Komponente maßgeschneiderter Lösemittelblends.



Dimethylcarbonat – leichtflüchtiges Carbonat mit interessantem Eigenschaftsprofil

Dimethylcarbonat (DMC) ist ein organisches Carbonat, das als Lösungsmittel und Reagenz in unterschiedlichen industriellen Anwendungen eingesetzt wird. Im Vergleich zu NMP besitzt DMC ein deutlich anderes physikalisch-chemisches Profil: Es ist wesentlich flüchtiger, hat einen deutlich niedrigeren Siedepunkt und weist eine geringere Polarität auf.

Gerade deshalb ist Dimethylcarbonat kein direkter 1:1-Ersatz für NMP, kann aber in bestimmten Anwendungen dennoch interessant sein – insbesondere dort, wo ein vergleichsweise leicht entfernbares Lösungsmittel mit moderater Polarität benötigt wird.

Mögliche Einsatzfelder umfassen je nach Formulierung beispielsweise Reinigungsprozesse, Beschichtungen, organische Synthesen und Lösemittelblends. In Kombination mit polareren oder höher siedenden Komponenten kann DMC zudem gezielt dazu beitragen, Verdunstungsverhalten, Lösekraft und Prozesszeiten eines alternativen Lösemittelsystems einzustellen.

Ein wesentlicher Unterschied zu Propylencarbonat oder γ-Valerolacton besteht darin, dass Dimethylcarbonat wesentlich schneller verdunstet. Das kann in Anwendungen mit kurzer Trocknungszeit vorteilhaft sein, muss aber hinsichtlich Flammpunkt, Arbeitsplatzexposition und Prozesssicherheit entsprechend berücksichtigt werden.

Bewertung: interessante Alternative beziehungsweise Blendkomponente für NMP-freie Formulierungen, wenn ein niedrigerer Siedebereich und schnelleres Verdunstungsverhalten gewünscht sind. Für stark polare NMP-Anwendungen ist DMC allein meist nicht ausreichend.

Dibasische Ester – Alternative für Reinigungs- und Entlackungsprozesse

Dibasische Ester (DBE) stellen eine weitere interessante Stoffgruppe dar.

Sie bestehen typischerweise aus Estern von Dicarbonsäuren und besitzen ein vergleichsweise langsames Verdunstungsverhalten. Aufgrund ihrer Eigenschaften können sie bei der Entfernung von Beschichtungen, Harzen, organischen Rückständen und in anspruchsvollen Reinigungsanwendungen eingesetzt werden.

DBE sind jedoch ebenfalls kein chemischer 1:1-Ersatz für NMP. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, innerhalb eines funktionell abgestimmten Lösemittelblends eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen.

Bewertung: insbesondere für Reinigungs-, Entlackungs- und Oberflächenanwendungen interessant.



Der häufig bessere Ansatz: NMP durch ein Lösemittelsystem ersetzen
NMP kann innerhalb einer Formulierung gleichzeitig unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Soll ein einzelner Ersatzstoff sämtliche Eigenschaften reproduzieren, wird die Auswahl sehr klein.
Ein Mehrkomponenten-Lösemittelsystem eröffnet dagegen wesentlich mehr Freiheitsgrade. So kann beispielsweise eine Komponente primär für die Lösekraft verantwortlich sein, eine zweite die Polarität oder Penetration beeinflussen und eine dritte das Verdunstungs- beziehungsweise Trocknungsverhalten einstellen. Damit wird aus einem einfachen Rohstoffaustausch eine gezielte Formulierungsentwicklung. Gerade für industrielle Reiniger, Entlacker, Beschichtungen und Prozesschemikalien kann dies der technisch erfolgversprechendere Weg sein.


NMP-Substitution nach Anwendung statt nach Stoff
Eine professionelle Substitution sollte deshalb mit einer Funktionsanalyse beginnen. Bei einem NMP-haltigen Industriereiniger sind beispielsweise andere Parameter entscheidend als bei einer Polymerlösung oder einer Batterieanwendung. Für einen Reiniger können Lösekraft gegenüber Ölen, Harzen, Lacken oder Klebstoffen, Einwirkzeit, Oberflächenbenetzung und Materialverträglichkeit entscheidend sein. Bei einer Beschichtung können dagegen Löslichkeit des Bindemittels, Rheologie, Filmbildung, Trocknungsverhalten und Oberflächenqualität im Vordergrund stehen. Bei einer chemischen Synthese wiederum können Reaktionskinetik, Selektivität, Löslichkeit der Reaktanden und die spätere Abtrennung des Lösungsmittels entscheidend werden. Deshalb ist die Anwendung wichtiger als die bloße Ähnlichkeit zweier Lösungsmittel.


Wie sollte eine NMP-Substitution praktisch durchgeführt werden?
Die ECHA beschreibt Substitution als schrittweisen und iterativen Prozess. Alternativen sollen nicht nur hinsichtlich ihres Gefahrenprofils betrachtet werden, sondern ebenso hinsichtlich Leistungsfähigkeit, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und weiterer Auswirkungen. Für industrielle Anwendungen lässt sich daraus ein sinnvoller Entwicklungsprozess ableiten:

Anwendungsanalyse → Funktionsprofil → Vorauswahl geeigneter Alternativen → Labor-Screening → Materialverträglichkeit → Leistungsprüfung → Formulierungsoptimierung →
Pilotversuch → industrielle Validierung


Dabei sollten nicht nur technische Kennwerte betrachtet werden. Auch Arbeitsschutz, Exposition, regulatorische Entwicklung, Rohstoffverfügbarkeit, Energiebedarf, Abfallaufkommen und Wirtschaftlichkeit gehören zu einer belastbaren Substitutionsentscheidung.


Achtung vor „regrettable substitution“
Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Vermeidung einer sogenannten regrettable substitution. Damit ist vereinfacht gesagt gemeint, dass ein problematischer Stoff durch eine Alternative ersetzt wird, die sich später ebenfalls als problematisch herausstellt. Ein historisch naheliegender Ersatzstoff aus derselben Stofffamilie ist deshalb nicht automatisch die beste Lösung.
Gerade bei strukturell ähnlichen Lösungsmitteln muss sorgfältig geprüft werden, ob tatsächlich eine Verbesserung des Gefahrenprofils erreicht wird.
Die ECHA empfiehlt ausdrücklich, bei chemischen Alternativen sowohl Gefahr als auch Exposition zu bewerten.



Ist ein biobasiertes Lösungsmittel automatisch die bessere Alternative?

Nein. „Biobasiert“, „nachwachsend“ und „ungefährlich“ sind keine Synonyme. Ein Lösungsmittel kann aus Biomasse hergestellt werden und trotzdem bestimmte Gefahreneigenschaften besitzen. Ebenso kann ein petrochemisch hergestellter Stoff für eine bestimmte Anwendung ein günstigeres Risikoprofil besitzen als eine ungeeignete biobasierte Alternative.

Die wissenschaftliche Bewertung sollte deshalb Herkunft und Nachhaltigkeit berücksichtigen, aber nicht isoliert betrachten. Der CHEM21 Solvent Selection Guide bewertet Lösungsmittel beispielsweise anhand verschiedener Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltkriterien und zeigt damit, warum eine eindimensionale Klassifizierung als „grün“ häufig nicht ausreicht.

Welche NMP-Alternative ist die beste?

Eine allgemeingültige Rangfolge wäre wissenschaftlich nicht seriös. Für eine Reinigungsanwendung könnte ein System auf Basis von Estern und Carbonaten interessant sein. Für eine polar-aprotische Synthese könnte Cyrene wesentlich näher an der benötigten Funktion liegen. Bei einer Beschichtung können wiederum völlig andere Anforderungen gelten.

Selbst innerhalb derselben Anwendung können Temperatur, Konzentration, Substrat, Polymerart, Einwirkzeit und Anlagenkonfiguration die Auswahl verändern. Die beste NMP-Alternative ist deshalb diejenige, die das erforderliche Funktionsprofil mit einem insgesamt günstigeren technischen, regulatorischen und sicherheitsbezogenen Profil verbindet.



GIO-CHEM Ansatz zur NMP-Substitution

GIO-CHEM betrachtet die Substitution von N-Methyl-2-pyrrolidon nicht als einfachen Austausch eines Rohstoffes. Ausgangspunkt ist die Frage, warum NMP in der bestehenden Anwendung eingesetzt wird und welche Eigenschaften tatsächlich benötigt werden. Auf dieser Grundlage können potenzielle Einzelstoffe oder Stoffkombinationen ausgewählt und hinsichtlich ihrer technischen Eignung untersucht werden.

Je nach Anwendung kann die Entwicklung beispielsweise auf Estern, Lactaten, Carbonaten, Lactonen oder anderen geeigneten Lösungsmittelklassen sowie daraus entwickelten Mehrkomponentensystemen basieren. Ziel ist nicht, NMP chemisch zu kopieren, sondern
seine technische Funktion möglichst gezielt durch ein geeigneteres Stoffsystem zu ersetzen.

Sie möchten NMP in einer industriellen Anwendung ersetzen?

GIO-CHEM unterstützt Unternehmen bei der Substitution von NMP und anderen kritischen Lösungsmitteln sowie bei der Entwicklung anwendungsspezifischer Ersatzstoffe und alternativer Lösemittelsysteme.

Dabei betrachten wir die bestehende Anwendung, die erforderliche technische Funktion, Materialverträglichkeit, Prozessparameter und das gewünschte Eigenschaftsprofil der zukünftigen Lösung.


→ NMP-Substitution anfragen



FAQ: NMP und NMP-Alternativen

Was ist NMP?
NMP steht für N-Methyl-2-pyrrolidon beziehungsweise 1-Methyl-2-pyrrolidon. Es handelt sich um ein polar-aprotisches organisches Lösungsmittel mit hohem Lösevermögen, das unter anderem in industriellen Reinigungs-, Beschichtungs-, Polymer-, Elektronik- und chemischen Prozessen eingesetzt wird.

Warum soll NMP ersetzt werden?
NMP ist als reproduktionstoxisch Kategorie 1B eingestuft und aufgrund seiner reproduktionstoxischen Eigenschaften als SVHC identifiziert. Für NMP bestehen außerdem spezifische Beschränkungsbedingungen nach REACH Anhang XVII.

Ist NMP in der EU verboten?
Nein. Die Aussage „NMP ist verboten“ wäre zu pauschal. Unter REACH Anhang XVII, Eintrag 71, gelten jedoch für NMP ab bestimmten Konzentrationen konkrete Anforderungen an Expositionsgrenzen, Risikomanagementmaßnahmen und Betriebsbedingungen.

Was kann NMP ersetzen?
Abhängig von der Anwendung können beispielsweise Cyrene, Propylencarbonat, γ-Valerolacton, Ethyllactat, Carbonate, Ester oder speziell entwickelte Lösemittelgemische untersucht werden. Keine dieser Alternativen ist jedoch automatisch ein universeller 1:1-Ersatz für NMP.

Kann Ethyllactat NMP ersetzen?
In bestimmten Anwendungen kann Ethyllactat eine interessante Alternative oder Bestandteil eines NMP-freien Lösemittelsystems sein. Aufgrund unterschiedlicher physikalisch-chemischer Eigenschaften ist Ethyllactat jedoch kein genereller 1:1-Ersatz für NMP.

Ist Cyrene eine Alternative zu NMP?
Cyrene ist ein polar-aprotisches Lösungsmittel, das in der wissenschaftlichen Literatur ausdrücklich als potenzielle Alternative zu problematischeren dipolar-aprotischen Lösungsmitteln wie NMP und DMF diskutiert wird. Die tatsächliche Eignung hängt jedoch von der jeweiligen Anwendung ab.

Wie findet man die richtige NMP-Alternative?
Zunächst muss die technische Funktion von NMP innerhalb des bestehenden Prozesses definiert werden. Anschließend können mögliche Alternativen anhand von Lösevermögen, Polarität, Verdunstungsverhalten, Materialverträglichkeit, Gefahrenprofil, Umweltaspekten und Wirtschaftlichkeit bewertet und experimentell getestet werden.



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