PFAS ersetzen: PFAS-freie Alternativen und Substitution in der Industrie
PFAS ersetzen: technische Alternativen statt pauschaler Austauschlösungen
PFAS lassen sich in zahlreichen industriellen Anwendungen bereits heute durch fluorfreie Technologien ersetzen. Einen universellen PFAS-Ersatzstoff gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist vielmehr, welche technische Funktion die bisher eingesetzte fluorierte Verbindung innerhalb einer Rezeptur, Beschichtung oder eines Produktionsprozesses erfüllt.
Je nach Anwendung dienen PFAS beispielsweise der Benetzung, Wasser- und Ölabweisung, Verringerung der Oberflächenspannung, chemischen Beständigkeit, Temperaturstabilität oder Verbesserung von Gleit- und Trenneigenschaften. Eine erfolgreiche PFAS-Substitution beginnt deshalb nicht mit der Suche nach einem einzelnen Ersatzstoff, sondern mit einer systematischen Funktionsanalyse.
GIO-CHEM unterstützt Industrieunternehmen bei der Bewertung PFAS-haltiger Anwendungen, der Auswahl technisch geeigneter fluorfreier Alternativen sowie bei Reformulierung, Produktentwicklung und anwendungstechnischer Prüfung.
Was sind PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen)?
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) umfassen nach heutiger Einordnung mehr als 10.000 verschiedene synthetisch hergestellte Stoffe. Charakteristisch für die Stoffgruppe sind sehr stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen. Diese verleihen vielen PFAS eine außergewöhnlich hohe chemische und thermische Beständigkeit und sorgen dafür, dass sie Wasser, Öle oder Schmutz abweisen können. Gleichzeitig führt diese hohe Stabilität dazu, dass zahlreiche PFAS in der Umwelt nur sehr langsam oder praktisch nicht vollständig abgebaut werden. Aus diesem Grund werden sie häufig auch als „Forever Chemicals“ beziehungsweise „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.
Typische Eigenschaften sind:
- hohe Temperaturbeständigkeit
- ausgezeichnete Chemikalienbeständigkeit
- wasser-, öl- und schmutzabweisende Wirkung
- geringe Oberflächenspannung
- hervorragende Gleit- und Trenneigenschaften
- lange Lebensdauer
Diese Eigenschaften machen PFAS technisch attraktiv, erhöhen aber zugleich die Anforderungen an einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Stoffen.
Wo werden PFAS in der Industrie eingesetzt?
PFAS finden sich in zahlreichen industriellen Anwendungen, beispielsweise in:
- Oberflächenbehandlungen
- Metallverarbeitung
- Beschichtungen
- Spezialschmierstoffen
- Industriereinigern
- Textil- und Lederausrüstung
- Elektronikfertigung
- Halbleiterindustrie
- Feuerlöschschäumen
- Dichtungsmaterialien
- Verpackungssystemen
- Medizintechnik
Gerade in technisch anspruchsvollen Anwendungen erfordert der Ersatz fluorierter Chemikalien fundiertes chemisches Fachwissen und eine sorgfältige Bewertung der Materialverträglichkeit.
Warum PFAS ersetzen? Regulierung, Umwelt und Lieferketten
Die Substitution von PFAS gewinnt für Industrieunternehmen zunehmend an strategischer Bedeutung. Neben der hohen Persistenz vieler per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen spielen insbesondere regulatorische Entwicklungen, steigende Anforderungen entlang der Lieferkette sowie Nachhaltigkeitsziele eine wichtige Rolle.
Auf europäischer Ebene wird derzeit im Rahmen der REACH-Verordnung eine weitreichende Beschränkung von PFAS geprüft. Das Verfahren umfasst eine sehr große Zahl fluorierter Stoffe und zahlreiche industrielle Anwendungsbereiche. Für Unternehmen bedeutet dies, dass PFAS-haltige Rohstoffe, Hilfsstoffe, Beschichtungen und Formulierungen frühzeitig identifiziert und hinsichtlich möglicher Alternativen bewertet werden sollten.
Eine vorausschauende PFAS-Substitution kann dazu beitragen,
- regulatorische Risiken frühzeitig zu reduzieren
- Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen zu vermeiden
- Lieferketten langfristig abzusichern
- Kundenanforderungen an PFAS-freie Produkte zu erfüllen
- Umweltbelastungen zu reduzieren
- bestehende Rezepturen und Produktionsprozesse zukunftsfähig weiterzuentwickeln
Entscheidend ist dabei nicht allein die Frage, ob ein Produkt PFAS enthält. Ebenso wichtig ist die technische Funktion, die eine fluorierte Komponente innerhalb einer Formulierung oder eines Produktionsprozesses übernimmt. Erst auf dieser Grundlage lassen sich geeignete fluorfreie Alternativen systematisch entwickeln und bewerten.
Herausforderungen bei der PFAS-Substitution
Der Ersatz von PFAS ist selten durch den Austausch einer einzelnen Komponente möglich. Häufig müssen komplette Formulierungen hinsichtlich ihrer chemischen, physikalischen und anwendungstechnischen Eigenschaften neu entwickelt werden. Zu berücksichtigen sind:
- Benetzungsverhalten
- Oberflächenspannung
- Reinigungsleistung
- Korrosionsschutz
- Materialverträglichkeit
- Temperaturbeständigkeit
- Emissionsverhalten
- biologische Abbaubarkeit
- Prozesssicherheit
- Wirtschaftlichkeit
Eine erfolgreiche Substitution beginnt immer mit einer fundierten Analyse der bestehenden Anwendung.
PFAS ersetzen: Welche fluorfreien Alternativen gibt es?
Eine universelle Alternative zu PFAS existiert nicht. Der technisch sinnvolle Ersatz hängt davon ab, welche Funktion ein PFAS innerhalb der jeweiligen Anwendung erfüllt. Deshalb sollten PFAS-Alternativen nicht ausschließlich nach Stoffnamen, sondern nach ihrem funktionellen Anforderungsprofil ausgewählt werden.
PFAS in Textilien und wasserabweisenden Beschichtungen ersetzen
Bei Textilien werden PFAS unter anderem eingesetzt, um wasser-, öl- oder schmutzabweisende Oberflächen zu erzeugen. Für eine wasserabweisende Ausrüstung stehen bereits verschiedene fluorfreie Ansätze zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem Paraffinformulierungen, Polysiloxane, bestimmte Polyurethan-Systeme und weitere funktionelle Polymer- oder Wachssysteme.
Dabei muss jedoch zwischen Wasserabweisung und anspruchsvoller Öl- beziehungsweise Schmutzabweisung unterschieden werden. Gerade bei technischen Textilien, Schutzkleidung oder hoch beanspruchten Spezialanwendungen können die Anforderungen deutlich höher sein. Eine fluorfreie Alternative muss daher immer anhand des konkreten Eigenschaftsprofils geprüft werden.
PFAS in Metall- und Oberflächenbehandlungen ersetzen
In der Metall- und Kunststoffoberflächenbehandlung werden PFAS unter anderem als Netzmittel eingesetzt. Eine wichtige Funktion besteht darin, die Oberflächenspannung von Prozessbädern zu reduzieren. Bei bestimmten Anwendungen der dekorativen Verchromung können fluorfreie Netzmittel eingesetzt werden. Auch eine Umstellung von Chrom(VI)- auf geeignete Chrom(III)-Verfahren kann dazu führen, dass bestimmte PFAS-haltige Netzmittel nicht mehr benötigt werden. Bei technisch anspruchsvolleren Prozessen wie dem Hartverchromen kann eine vollständige PFAS-Substitution dagegen schwieriger sein. Hier müssen Prozessführung, Badchemie, Anlagenkonzept, Oberflächenqualität und Arbeitsschutz gemeinsam betrachtet werden.
PFAS als Netzmittel und Oberflächenadditive ersetzen
Werden PFAS eingesetzt, um Oberflächenspannung, Benetzung oder Verlauf zu beeinflussen, können je nach Formulierung verschiedene fluorfreie Ansätze geprüft werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- fluorfreie Tenside und Netzmittel
- Silan- und Siloxansysteme
- funktionelle Polymerdispersionen
- Wachssysteme
- Sol-Gel-Systeme
- anorganisch-organische Beschichtungssysteme
- alternative Oberflächenadditive
- speziell entwickelte Mehrkomponentensysteme
Entscheidend ist nicht allein, ob ein Ersatzstoff die Oberflächenspannung reduzieren kann. Ebenso relevant sind Schaumbildung, Substratbenetzung, Haftung, Verlauf, chemische Beständigkeit, Temperaturstabilität, Materialverträglichkeit und Langzeitverhalten.
PFAS in Reinigungs- und Prozesschemie ersetzen
Enthält eine industrielle Formulierung fluorierte Tenside, Netzmittel oder andere PFAS-haltige funktionelle Komponenten, kann eine Reformulierung des gesamten Wirkstoffsystems sinnvoller sein als der Austausch eines einzelnen Rohstoffes. Je nach Anwendung können alternative Tensidsysteme, fluorfreie Oberflächenadditive, wasserbasierte Systeme, alternative Lösungsmittel, Ester, Polymere oder Kombinationen verschiedener Wirkstoffe eingesetzt werden. Gerade bei industriellen Reinigungs- und Prozessformulierungen muss dabei geprüft werden, wie sich eine Veränderung auf Reinigungsleistung, Benetzung, Materialverträglichkeit, Korrosionsverhalten, Trocknung, Rückstandsbildung und Prozessstabilität auswirkt.
PFAS in Feuerlöschschäumen ersetzen
Feuerlöschschäume waren über lange Zeit ein bedeutender Einsatzbereich PFAS-haltiger Chemikalien. Inzwischen stehen für zahlreiche Anwendungen fluorfreie Schaumlöschmittel zur Verfügung.
Eine Umstellung sollte dennoch anwendungsbezogen erfolgen. Zu prüfen sind unter anderem Brandrisiko, Löschleistung, vorhandene Löschtechnik, Anlagenkompatibilität und die jeweiligen regulatorischen Anforderungen.
Entscheidend ist die Funktion – nicht der Stoffname
Eine professionelle PFAS-Substitution beantwortet deshalb nicht nur die Frage:
„Welcher Stoff kann PFAS ersetzen?“
Entscheidend ist vielmehr:
„Welche fluorfreie Technologie kann die technische Funktion des bisherigen PFAS zuverlässig übernehmen?“
Dieser funktionsorientierte Ansatz eröffnet wesentlich mehr Möglichkeiten als die Suche nach einem vermeintlich identischen Ersatzstoff.
PFAS ersetzen: Warum ein 1:1-Austausch häufig nicht funktioniert
PFAS werden in vielen industriellen Anwendungen eingesetzt, weil sie mehrere technisch anspruchsvolle Eigenschaften miteinander verbinden. Eine einzelne fluorierte Komponente kann beispielsweise gleichzeitig Oberflächenspannung reduzieren, Benetzung verbessern sowie chemische und thermische Beständigkeit bereitstellen. Ein einzelner fluorfreier Rohstoff kann dieses Eigenschaftsprofil nicht immer vollständig reproduzieren. Deshalb sollte zunächst definiert werden, welche Eigenschaften für die konkrete Anwendung tatsächlich erforderlich sind. Daraus entsteht ein technisches Anforderungsprofil für die zukünftige Lösung.
Bewertet werden können beispielsweise:
- Oberflächenspannung und Benetzung
- Wasser-, Öl- und Schmutzabweisung
- chemische Beständigkeit
- Temperaturbeständigkeit
- Gleit- und Trennwirkung
- Haftung und Beschichtungsqualität
- Materialverträglichkeit
- Korrosionsverhalten
- Lagerstabilität
- Verarbeitung und Prozessfähigkeit
- Arbeitsschutz und Umweltprofil
- Wirtschaftlichkeit
Ist kein geeigneter Einzelstoff verfügbar, kann eine Kombination verschiedener fluorfreier Komponenten die technisch bessere Lösung darstellen. PFAS-Substitution ist deshalb häufig eine Reformulierungsaufgabe und nicht lediglich ein Rohstoffaustausch.
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PFAS-Ersatzstoffe: Warum der Wechsel zu anderen PFAS nicht automatisch eine Lösung ist
Bei der Substitution einzelner regulierter PFAS wurden in der Vergangenheit teilweise andere fluorierte Verbindungen als Ersatz eingesetzt. Beispielsweise können langkettige PFAS durch kurzkettigere Verbindungen oder andere fluorierte Stoffe ersetzt werden. Ein solcher Stoffwechsel bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das grundsätzliche Umweltproblem gelöst ist.
Auch kurzkettige PFAS können sehr persistent sein. Teilweise weisen sie zwar ein geringeres Bioakkumulationspotenzial auf, sind dafür jedoch in Wasser und Umwelt mobiler. Auch bestimmte teilfluorierte Ersatzstoffe können sich in der Umwelt zu anderen persistenten PFAS-Verbindungen umwandeln. Ein Ersatz sollte deshalb nicht nur danach beurteilt werden, ob ein bestimmter regulierter Stoff aus einer Rezeptur verschwindet.
Ebenso wichtig sind:
- Persistenz
- Mobilität
- mögliche Abbauprodukte
- toxikologische Eigenschaften
- Emissionspotenzial
- technische Leistungsfähigkeit
- langfristige regulatorische Perspektive
Der Austausch eines problematischen PFAS durch eine andere fluorierte Verbindung mit ähnlichen langfristigen Nachteilen wird häufig als „regrettable substitution“ bezeichnet – also als bedauerliche oder problemverschiebende Substitution. Wo technisch möglich, sollte deshalb geprüft werden, ob die benötigte Funktion mit einer vollständig fluorfreien Technologie erreicht werden kann.
PFAS in Produkten und Rohstoffen erkennen
Bevor PFAS ersetzt werden können, muss zunächst geklärt werden, wo fluorierte Stoffe innerhalb eines Unternehmens tatsächlich eingesetzt werden.
Eine systematische Bestandsaufnahme kann auf mehreren Ebenen erfolgen.
1. Rohstoffe und Formulierungen erfassen
Zunächst sollten relevante Rohstoffe, Hilfsstoffe, Prozesschemikalien, Beschichtungen und Fertigformulierungen erfasst werden.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Produkte, bei denen Funktionen wie Wasser-, Öl- oder Schmutzabweisung, extreme chemische Beständigkeit, sehr niedrige Oberflächenspannung oder ausgeprägte Gleit- und Trenneigenschaften gefordert werden.
2. Lieferantendokumentation prüfen
Sicherheitsdatenblätter, technische Datenblätter, Produktspezifikationen und Rohstoffinformationen sollten auf Hinweise zu fluorierten Inhaltsstoffen geprüft werden.
Bei unklarer Zusammensetzung können zusätzlich gezielte Lieferantenanfragen oder PFAS-Erklärungen sinnvoll sein.
3. Technische Funktion bestimmen
Anschließend muss geklärt werden, warum der betreffende Rohstoff überhaupt eingesetzt wird.
Erst wenn die Funktion bekannt ist, kann beurteilt werden, welche fluorfreie Technologie als Ersatz infrage kommt.
4. Analytische Prüfung bei unklarer Zusammensetzung
Wenn eine eindeutige Bewertung anhand der Lieferkettendokumentation nicht möglich ist, können analytische Verfahren zusätzliche Informationen liefern.
Je nach Fragestellung kommen beispielsweise gezielte Einzelstoffanalysen oder weitergehende Verfahren wie Summenparameter für organisch gebundenes Fluor beziehungsweise der TOP-Assay zur Erfassung bestimmter PFAS-Vorläufer infrage. Dabei ist wichtig: Unterschiedliche analytische Verfahren beantworten unterschiedliche Fragestellungen. Die geeignete Methode muss daher anhand von Probe, Matrix und Untersuchungsziel ausgewählt werden.
5. Substitutionsprioritäten festlegen
Nach der Bestandsaufnahme können PFAS-Anwendungen priorisiert werden.
Sinnvolle Kriterien sind beispielsweise:
- regulatorische Relevanz
- Einsatzmenge
- Emissionspotenzial
- Kundenanforderungen
- technische Ersetzbarkeit
- Verfügbarkeit fluorfreier Alternativen
- Bedeutung für Produktion und Lieferkette
Dadurch entsteht ein belastbarer PFAS-Substitutionsplan statt einer unsystematischen Einzelstoffbetrachtung.
PFAS-Verbot in der EU: aktueller Stand 2026
Ein vollständiges pauschales Verbot sämtlicher PFAS besteht in der Europäischen Union derzeit nicht. Für verschiedene einzelne PFAS, Stoffgruppen und Anwendungen bestehen jedoch bereits Verbote beziehungsweise Beschränkungen. Parallel dazu läuft das umfangreiche europäische REACH-Beschränkungsverfahren für PFAS. Der ursprüngliche Beschränkungsvorschlag wurde von Behörden aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Norwegen eingereicht und betrifft mehr als 10.000 PFAS sowie zahlreiche industrielle Einsatzbereiche.
Im März 2026 hat der Ausschuss für Risikobeurteilung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA (RAC) seine abschließende Stellungnahme angenommen. Der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) hat im März 2026 seinen Entwurf verabschiedet. Nach Abschluss der öffentlichen Konsultation wird die endgültige SEAC-Stellungnahme nach aktuellem Zeitplan bis Ende 2026 erwartet. Anschließend werden die wissenschaftlichen Stellungnahmen an die Europäische Kommission übermittelt. Auf dieser Grundlage kann die Kommission einen konkreten Beschränkungsvorschlag zur Entscheidung auf europäischer Ebene ausarbeiten.
Unabhängig von diesem umfassenden Verfahren bestehen bereits weitere PFAS-Regelungen. Seit August 2026 gelten beispielsweise im Rahmen der europäischen Verpackungsverordnung Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen. Für PFAS in Feuerlöschschäumen wurden ebenfalls europäische Beschränkungen mit stufenweisen Übergangsfristen beschlossen.
Für Industrieunternehmen bedeutet dies, dass PFAS nicht ausschließlich als zukünftiges Regulierungsthema betrachtet werden sollten. Je nach Stoff, Anwendung und Produktbereich bestehen bereits heute konkrete Anforderungen.
Eine frühzeitige Bestandsaufnahme und technische Bewertung möglicher Alternativen schafft deshalb Planungssicherheit und ermöglicht es, notwendige Reformulierungen rechtzeitig zu entwickeln und zu validieren.
PFAS-Substitution mit GIO-CHEM – Entwicklung fluorfreier Alternativen
GIO-CHEM unterstützt Industrieunternehmen bei der Analyse PFAS-haltiger Anwendungen, der Auswahl geeigneter Ersatztechnologien und der Entwicklung anwendungsspezifischer fluorfreier Formulierungen.
Unser Leistungsspektrum umfasst unter anderem:
- Entwicklung individueller Spezialformulierungen
- Substitution kritischer Chemikalien
- Optimierung bestehender Rezepturen
- Materialverträglichkeitsprüfungen
- Auswahl geeigneter Rohstoffe
- Entwicklung nachhaltiger Reinigungschemie
- Beratung zu biobasierten Lösungsmitteln
- Unterstützung bei Innovations- und Entwicklungsprojekten
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht nicht die Erstellung pauschaler Austauschlisten. Ausgangspunkt ist die konkrete technische Funktion des bisher verwendeten PFAS.
Auf dieser Basis können geeignete Rohstoffe, Additive, Beschichtungssysteme oder vollständig neue Formulierungskonzepte entwickelt und anschließend unter praxisnahen Bedingungen bewertet werden.
Je nach Projekt begleiten wir Unternehmen von der Bestandsaufnahme und Funktionsanalyse über Rohstoffscreening, Rezepturentwicklung und Anwendungstests bis zur Optimierung und industriellen Umsetzung.
PFAS-haltige Anwendung oder Rezeptur identifiziert?
GIO-CHEM unterstützt Sie bei der Bewertung geeigneter PFAS-Alternativen und der Entwicklung technisch belastbarer fluorfreier Lösungen für industrielle Anwendungen.
Warum Unternehmen PFAS frühzeitig substituieren sollten
Unternehmen, die sich bereits heute mit alternativen Technologien beschäftigen, profitieren von mehreren Vorteilen:
- höhere Planungssicherheit
- geringere regulatorische Risiken
- nachhaltigere Produktentwicklung
- verbesserte Wettbewerbsfähigkeit
- höhere Akzeptanz bei Kunden und Behörden
- langfristig stabile Lieferketten
- Stärkung der Innovationskraft
Die Umstellung auf fluorfreie Technologien ist damit nicht nur eine Reaktion auf regulatorische Entwicklungen, sondern kann ein strategischer Wettbewerbsvorteil sein.
Fazit: PFAS ersetzen erfordert funktionale statt pauschaler Lösungen
PFAS zu ersetzen bedeutet in der industriellen Praxis häufig mehr als den Austausch eines einzelnen Rohstoffes.
Die zentrale Frage lautet nicht, welcher Stoff einem bestimmten PFAS chemisch möglichst ähnlich ist, sondern welche technische Funktion innerhalb der jeweiligen Anwendung erfüllt werden muss.
Für verschiedene Bereiche stehen bereits leistungsfähige fluorfreie Alternativen zur Verfügung. Bei technisch anspruchsvollen Anwendungen können dagegen Reformulierung, Prozessänderungen oder die Kombination mehrerer Technologien erforderlich sein.
Unternehmen sollten deshalb zunächst PFAS-haltige Rohstoffe und Prozesse identifizieren, deren Funktion analysieren und anschließend geeignete Alternativen anhand klar definierter technischer Kriterien prüfen. GIO-CHEM unterstützt industrielle Anwender bei dieser Aufgabe – von der Stoffbewertung über die Auswahl geeigneter Alternativtechnologien bis zur Entwicklung und Optimierung fluorfreier Spezialformulierungen.
Häufige Fragen zur PFAS-Substitution (Stand September 2026)
Können PFAS vollständig ersetzt werden?
In vielen Anwendungen können PFAS bereits heute durch fluorfreie Technologien ersetzt werden. Eine universelle Alternative für sämtliche PFAS und Einsatzbereiche gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist, welche technische Funktion der jeweilige PFAS-Stoff im Produkt oder Prozess erfüllt – beispielsweise Wasser- und Ölabweisung, Benetzung, chemische Beständigkeit, Gleitwirkung, Temperaturbeständigkeit oder Oberflächenmodifizierung.
Während für zahlreiche Anwendungen bereits geeignete fluorfreie Lösungen verfügbar sind, kann die Substitution bei technisch besonders anspruchsvollen Einsatzgebieten eine umfassendere Reformulierung oder Prozessanpassung erfordern. Ziel sollte daher nicht ausschließlich der Austausch eines einzelnen Stoffes sein, sondern die Entwicklung einer technisch leistungsfähigen und langfristig zukunftsfähigen PFAS-freien Lösung.
Welche Alternativen zu PFAS gibt es?
Die Auswahl geeigneter PFAS-Alternativen richtet sich nach der jeweiligen Anwendung und der Funktion des bisher eingesetzten fluorierten Stoffes. Einen universellen PFAS-Ersatzstoff gibt es nicht.
Je nach Einsatzgebiet können beispielsweise folgende fluorfreie Technologien infrage kommen:
- fluorfreie Tenside und Netzmittel
- Silan- und Siloxansysteme
- funktionelle Wachse und Polymerdispersionen
- Acrylat- und Polyurethansysteme
- fluorfreie Oberflächenadditive
- Sol-Gel- und anorganisch-organische Beschichtungssysteme
- wasserbasierte Formulierungen
- anwendungsspezifisch entwickelte Mehrkomponentensysteme
Bei der Auswahl müssen neben der technischen Leistungsfähigkeit unter anderem Materialverträglichkeit, chemische und thermische Beständigkeit, Prozessbedingungen, Umweltprofil, Arbeitsschutz und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.
Eine erfolgreiche PFAS-Substitution ist deshalb häufig eine gezielte Reformulierung und nicht lediglich der Austausch eines einzelnen Rohstoffes.
Ist ein 1:1-Ersatz von PFAS möglich?
Ein direkter 1:1-Ersatz ist zwar in einzelnen Anwendungen möglich, häufig jedoch technisch nicht die optimale Lösung. PFAS werden eingesetzt, weil sie teilweise mehrere Eigenschaften gleichzeitig miteinander verbinden, beispielsweise geringe Oberflächenenergie, hohe chemische Beständigkeit, Temperaturstabilität sowie wasser-, öl- oder schmutzabweisende Eigenschaften.
Ein einzelner fluorfreier Rohstoff kann dieses Eigenschaftsprofil nicht immer vollständig reproduzieren. In solchen Fällen ist es sinnvoller, zunächst die tatsächliche Funktion des PFAS innerhalb der Formulierung oder des Produktionsprozesses zu bestimmen. Auf dieser Grundlage können geeignete Rohstoffe und Additive kombiniert und anschließend hinsichtlich Reinigungsleistung, Oberflächeneigenschaften, Materialverträglichkeit, Prozessstabilität und Umweltprofil geprüft werden. Gerade bei komplexen industriellen Anwendungen ist eine gezielte Reformulierung daher häufig erfolgversprechender als die Suche nach einem vermeintlich identischen PFAS-Ersatzstoff.
Sind PFAS in der EU bereits verboten?
Nein. Ein generelles Verbot sämtlicher PFAS in der Europäischen Union besteht nach aktuellem Stand im September 2026 noch nicht. Allerdings gelten bereits umfangreiche Verbote und Beschränkungen für bestimmte PFAS-Gruppen und Anwendungen. Unter anderem sind PFOS, PFOA und PFHxS in der EU bereits weitgehend verboten beziehungsweise stark eingeschränkt. Auch für weitere PFAS-Gruppen wie bestimmte langkettige perfluorierte Carbonsäuren sowie PFHxA und verwandte Stoffe gelten beziehungsweise greifen schrittweise zusätzliche Beschränkungen.
Parallel dazu läuft auf europäischer Ebene das umfassende REACH-Beschränkungsverfahren für eine sehr große Gruppe von PFAS. Der Ausschuss für Risikobeurteilung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA (RAC) hat seine abschließende Stellungnahme im März 2026 angenommen. Der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) arbeitet derzeit an seiner endgültigen Stellungnahme, die nach aktuellem Zeitplan bis Ende 2026 verabschiedet werden soll.
Anschließend werden die wissenschaftlichen Stellungnahmen an die Europäische Kommission übermittelt. Diese kann auf dieser Grundlage einen konkreten Beschränkungsvorschlag ausarbeiten, über den anschließend unter Beteiligung der EU-Mitgliedstaaten entschieden wird. Für Unternehmen bedeutet dies: Auch wenn derzeit kein pauschales Verbot aller PFAS besteht, ist eine frühzeitige Bestandsaufnahme und Prüfung möglicher PFAS-Alternativen aus regulatorischer und strategischer Sicht sinnvoll.
Wie läuft eine industrielle PFAS-Substitution ab?
Eine professionelle PFAS-Substitution beginnt mit der systematischen Analyse der bestehenden Anwendung. Dabei sollte zunächst ermittelt werden, welche PFAS-haltigen Rohstoffe oder Hilfsstoffe eingesetzt werden und welche technische Funktion sie innerhalb des Produktes oder Produktionsprozesses erfüllen.
Ein typischer Substitutionsprozess umfasst mehrere Schritte:
- Bestandsaufnahme: Identifikation PFAS-haltiger Rohstoffe, Formulierungen und Prozesshilfsmittel.
- Funktionsanalyse: Ermittlung der technischen Funktion des PFAS, beispielsweise Benetzung, Oberflächenmodifizierung, Wasser- oder Ölabweisung, Gleitwirkung oder chemische Beständigkeit.
- Anforderungsprofil: Festlegung der Eigenschaften, die eine fluorfreie Alternative erfüllen muss.
- Auswahl geeigneter Alternativen: Recherche und Bewertung geeigneter Rohstoffe, Additive oder alternativer Formulierungskonzepte.
- Labor- und Anwendungstests: Vergleich der Alternativen hinsichtlich Wirksamkeit, Materialverträglichkeit, Stabilität und Prozessfähigkeit.
- Optimierung und Reformulierung: Anpassung der Rezeptur, wenn ein einfacher Rohstoffaustausch die erforderliche Leistung nicht erreicht.
- Praxisvalidierung und Scale-up: Übertragung der optimierten Lösung auf reale Produktions- und Anwendungsbedingungen.
- Dokumentation und Umsetzung: Bewertung der neuen Formulierung hinsichtlich regulatorischer Anforderungen, Arbeitsschutz, Umweltprofil und Wirtschaftlichkeit.
GIO-CHEM unterstützt Industrieunternehmen bei diesem Prozess von der Analyse bestehender PFAS-Anwendungen über die Auswahl geeigneter Ersatztechnologien bis zur Entwicklung und Optimierung anwendungsspezifischer fluorfreier Formulierungen.
Was sind PFAS-Ersatzstoffe?
Als PFAS-Ersatzstoffe werden Chemikalien oder Technologien bezeichnet, die bisher eingesetzte PFAS funktionell ersetzen sollen. Dabei muss zwischen anderen fluorierten PFAS-Verbindungen und vollständig fluorfreien Alternativen unterschieden werden. Der Wechsel von einem langkettigen zu einem kurzkettigen PFAS beseitigt die Persistenzproblematik nicht automatisch. Wo technisch möglich, sollten deshalb fluorfreie Lösungen geprüft werden.
Wie kann ein Unternehmen feststellen, ob Produkte PFAS enthalten?
Zunächst sollten Rohstoffe, Hilfsstoffe und Prozesschemikalien systematisch erfasst und Sicherheitsdatenblätter, technische Dokumentationen sowie Lieferantenerklärungen geprüft werden. Bei unklarer Zusammensetzung können ergänzend analytische Verfahren eingesetzt werden. Abhängig von der Fragestellung kommen Einzelstoffanalysen, Fluor-Summenparameter oder Verfahren zur Erfassung von PFAS-Vorläuferverbindungen infrage.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
- ECHA – PFAS und europäisches REACH-Beschränkungsverfahren
- Umweltbundesamt – PFAS-Portal
- Umweltbundesamt – PFAS in der Textilindustrie
- Umweltbundesamt – PFAS in der Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen
- Umweltbundesamt – Chemische Analytik von PFAS
- Bayerisches Landesamt für Umwelt – PFAS-Ersatzstoffe
- Europäische Kommission – PFAS-Regulierung
Fachbeitrag: Emmanuel Giotis, GIO-CHEM Spezialchemie
Fachlich aktualisiert: September 2026
Weiterführende Informationen zur Stoffsubstitution
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